Bierbrauen im Gasthaus als Hit
Die 'Branger Alm' in Unterperfuss und das neue Theresienbräu in Innsbruck liegen mit selbstgebrautem Bier bei jung und alt im Trend.
Die Gasthausbrauereien erleben in Österreich und auch in Deutschland einen Boom. Das im Wirtshaus selbst gebraute Bier ist ein Publikumsmagnet, man besinnt sich auf Tradition und verbindet sie mit Erlebnisgastronomie.
Jüngstes Beispiel in Innsbruck ist die Eröffnung des Theresienbräu. Das ehemalige Nonstop-Kino wurde in ein großzügiges Bierlokal umgebaut. Bereits seit 1993 wird in der Branger Alm in Unterperfuss das Branger Bier gebraut.
Die Idee, aus der Branger Alm eine Gasthausbrauerei zu machen, stammt von Besitzer Georg Hörtnagl. "Es hat mich immer wieder fasziniert, wie das Bier die Leute anzieht. Bei einer Runde Bier sitzen jung und alt zusammen." Im sehr rustikal gestalteten Lokal sind tatsächlich alle Altersschichten vertreten. Es scheint zu funktionieren, was sich Georg Hörtnagl vorgenommen hat, den Urgedanken der Gastronomie aufleben zu lassen und einen Ort der Kommunikation zu schaffen.
Der Chef und sein Braumeister Harald Baumgartner ruhen sich auf ihrem Erfolg nicht aus: "Man darf nicht bei der Idee der Gasthausbrauerei stehen bleiben, man muss sie weiterentwickeln." Seit Oktober letzten Jahres brennen sie einen Bierschnaps, mit dem sie auf Anhieb bei der "Destillata 1996", einer renomierten Schnapsfachmesse, die Silberne geholt haben. Das sogenannte 'Biermandl' avancierte innerhalb kürzester Zeit zum bestverkauften Schnaps der Branger Alm. Neuester Clou ist der hauseigene Whisky, der noch nicht offiziell über die Schank geht. Selbst Limonaden werden im eigenen Haus hergestellt.
Für Kunstinteressierte gibt es in der Branger Alm, die über 500 Sitzplätze verfügt, eine
Galerie, in der derzeit der Maler Klaus Bartl ausstellt. Die Galerie ist abends geöffnet, so dass auch Berufstätige stressfrei die Ausstellung besuchen können. Zudem hat der Künstler "Anwesenheitspflicht".
Bereits eine Woche nach der Eröffnung des Theresienbräu in der Maria-Theresien-Straße hat Braumeister Rudolf Mayer Probleme, mit dem Bierbrauen nachzukommen. Geschäftsführer Michael Schastok dazu: "Das Theresienbräu hat voll eingeschlagen. Wir freuen uns über die überwältigende Akzeptanz und ein gut gemischtes Publikum." Das Theresienbräu mit seinen 220 Sitzplätzen unterscheidet sich von der 'Branger Alm' nicht zuletzt durch die moderne innenarchitektonische Gestaltung. Vorerst beschränkt man sich bei den selbsthergestellten Getränken auf das Bier, das übrigens auch im Babyglas (0,1 l) ausgeschenkt wird."Unser Konzept ist es, aktiv in Richtung Erlebnisgastronomie zu gehen", erklärt Michael Scharstok. Was das genau bedeutet, will er nicht sagen. So viel kann verraten werden: Demnächst soll eine Videokamera installiert werden, die das Geschehen in der Gasthausbrauerei auf einen Bildschirm außerhalb des Lokals überträgt. Auch ein Stammtisch mit Otto Grünmandl soll eingerichtet werden. Schon jetzt gibt es aber einen Kellner, der Zaubertricks vorführt, und den ORF-Frühschoppen mit eigenem Studio.
In welchem der beiden Gasthausbrauereien, 'Branger Alm' oder Theresienbräu, man das ausgezeichnete Bier genießen will, bleibt jedem selbst überlassen.
Zum Wohl!
Quelle: Kurier
Datum: 26. August 1996